Pressemitteilungen

Pressestatements zum 74. ÖGD-Kongress in Erlangen

Pressekonferenz 74. ÖGD-Kongress

Netzwerke im ÖGD – Gesundheit kreativ, digital und lebensnah gestalten

Statement Dr. Kristina Böhm, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD)

Klimawandel, neue Infektionskrankheiten, Extremwetter, demografischer Wandel, militärische Bedrohung – unsere Gesellschaft und unser Gesundheitswesen müssen immense Herausforderungen bewältigen. Der Öffentliche Gesundheitsdienst steht dabei an vorderster Front: Er erkennt Risiken frühzeitig, schützt besonders gefährdete Gruppen, berät Kommunen und Politik und sorgt für den Schutz der Bevölkerung in Hitzewellen, Pandemien oder bei Katastrophen. Das sind Aufgaben von zentraler Bedeutung.

Der „Pakt für den ÖGD“ war ein starkes Signal. Bundesweit sind rund 4.800 Stellen geschaffen worden – viele davon unbefristet. Dies darf kein Strohfeuer bleiben und wir begrüßen daher die Vorschläge der Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege. Sie empfiehlt ja, den Pakt für den ÖGD fortzusetzen und ab 2027 mit 750 Millionen Euro auszustatten. Das ist entscheidend wichtig und sollte unbedingt in den Koalitionsvertrag aufgenommen und dann umgesetzt werden.

Auch die im Papier vorgesehene Stärkung der Prävention und Gesundheitsförderung unterstützen wir. Es sollen Angebote auf kommunaler Ebene gestärkt werden, die vulnerable Gruppen in den Blick nehmen. Einsamkeit und ihre Auswirkungen werden thematisiert und bestehende Untersuchungsangebote sollen weiterentwickelt werden. All das sind Maßnahmen, die der Öffentliche Gesundheitsdienst umsetzen und begleiten wird – er muss dafür personell und technisch ausgestattet werden. Nur mit einem starken ÖGD können wir flächendeckend passgenaue Präventionsangebote aufbauen. Dies ist dringend notwendig, um von einer reinen Reparaturmedizin zu einer mehr auf Krankheitsvermeidung setzenden Versorgung zu kommen. Diese wird bereits mittelfristig auch deutliche Mittel im Gesundheitswesen einsparen.

Deshalb sage ich: Ein starker ÖGD nützt uns allen. Jetzt ist der Moment, ihn dauerhaft zu stärken!

 

Statement Dr. Emanuel Wiggerich, Erster stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD)

Unsere Gesellschaft muss sich auf Krisen und unglücklicherweise auch auf Krieg besser vorbereiten. Ein entsprechendes Konzept dazu hat die Europäische Kommission mit der „Preparedness Union Strategy“ vorgelegt. Ein Blick auf den dort vorgestellten 30-Stufen-Plan zur Krisenvorsorge zeigt: Das Gesundheitswesen und dabei besonders der Öffentliche Gesundheitsdienst ist entscheidend daran beteiligt, dass unser Land auch im Krisenfall weiter funktioniert.

Dabei geht es zum Beispiel um die Koordination von Gesundheitsmaßnahmen, die Bereitstellung von Material, Trinkwasserhygiene und gemeinsame Katastrophenübungen.

Das hat auch die Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege erkannt und in ihren Vorschlägen für den Koalitionsvertrag formuliert: „ Wir schaffen gesetzliche Rahmenbedingungen für den Gesundheitssektor und den Rettungsdienst im Zivilschutz- sowie Verteidigung- und Bündnisfall mit abgestimmter Koordinierung und eindeutigen Zuständigkeiten“, heißt es dort und es ist klar: Wieder ist der ÖGD entscheidend beteiligt: Bei der Koordinierung aber auch bei Planung und Umsetzung von Maßnahmen für mehr Resilienz unserer Gesellschaft.

Es ist daher entscheidend wichtig, dass die Empfehlungen der Arbeitsgruppe Eingang in den Koalitionsvertrag finden. Jeder im ÖGD investierte Euro für Prävention und für mehr Krisenfestigkeit unserer Gesellschaft wird sich langfristig auszahlen!

Ein weiterer wichtiger Punkt ist aus unserer Sicht, den ÖGD bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen immer konsequent einzubeziehen. Videosprechstunden sind zum Beispiel auch für Gesundheitsämter eine wichtige Möglichkeit bei der Beratung von Bürgerinnen und Bürgern, ebenso wie die Nutzung der elektronischen Patientenakte, zum Beispiel bei Impfungen und Begutachtungen.

Entscheidend ist, den ÖGD immer als wichtiger und unverzichtbaren Teil des Gesundheitswesens mitzudenken, auch bei Digitalisierungsvorhaben.

 

Statement Dr. Susanne Pruskil, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Öffentliches Gesundheitswesen (DGÖG)

Der Öffentliche Gesundheitsdienst steht vor einem entscheidenden Entwicklungsschritt – und wir stehen bereit, ihn wissenschaftlich und strukturell zu gestalten.

Die Deutsche Gesellschaft für Öffentliches Gesundheitswesen, gegründet vor zwei Jahren, zählt inzwischen über 660 Mitglieder aus allen Bereichen des ÖGD. Das zeigt: Der Bedarf an wissenschaftlicher Fundierung, Austausch und Weiterentwicklung ist enorm.

Es ist für die Zukunft entscheidend wichtig, die öffentliche Gesundheit in Deutschland durch Forschung, Lehre und evidenzbasierte Praxis zu stärken – interdisziplinär, praxisnah und zukunftsgerichtet. Denn die Herausforderungen – von Pandemien bis Klimawandel – verlangen belastbare wissenschaftliche Grundlagen und eine handlungsfähige Praxis.

Deutschland benötigt einen leistungsfähigen, effizienten und qualifizierten öffentlichen Gesundheitsdienst. Auch das sind notwendige Investitionen in eine moderne Infrastruktur und die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.

Erfreulich ist, dass in den letzten Jahren wichtige Impulse gesetzt wurden: Neue Professuren in Dresden, Köln und Leipzig und kooperative Forschungsstrukturen wie in München zeigen, was möglich ist – wenn Bund, Länder und Wissenschaft gemeinsam an einem Strang ziehen.

Nötig ist jetzt, die Lehre und wissenschaftliches Arbeiten an den Gesundheitsämtern auszubauen und Strukturen für Lehr- und Forschungsgesundheitsämter zu etablieren, die eng mit Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten.

Wichtig ist außerdem eine qualifizierte und dauerhafte Nachwuchsarbeit, um das Personal zu gewinnen und zu halten, das wir für die vor uns liegenden großen Aufgaben benötigen.