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ÖGD – Bis an die Grenzen der Handlungsfähigkeit

Der ÖGD und seine prekäre Situation sind Hautthema in der ersten Ausgabe 2017 des Ärzteblatt Schleswig-Holstein

Schon mehrfach hat sich die Gesundheitsministerkonferenz mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) beschäftigt. In diesem Sommer fasste die Versammlung der Gesundheitsminister und -senatoren erneut einen Beschluss, um die „unverzichtbare Rolle des ÖGD im Gesundheitswesen“ zu stärken. Den politischen Absichtserklärungen müssen nun Taten auf der kommunalen Ebene folgen, denn der ÖGD ringt schon seit Jahren um Nachwuchs. Vakante Stellen können zum Teil Jahre nicht besetzt werden, weil sich keine geeigneten Bewerber finden. Die Situation ist inzwischen schon so prekär, dass sich die Gesundheitsämter gegenseitig kompetentes Personal abwerben, weil die Aufgabenbereiche beständig zunehmen und kaum noch mit vorhandenen Ressourcen gestemmt werden können. „Das nützt uns aber nichts, weil wir als Kommunen gemeinsam stark sein müssen für Schleswig-Holstein. Wir brauchen neue Leute von außen“, fasst Dr. Sylvia Hakimpour-Zern, Leiterin des Fachdienstes Sozialpsychiatrie am Gesundheitsamt Segeberg, das Problem zusammen. Die zweite Vorsitzende ihres Berufsverbandes in Schleswig-Holstein beklagt die mangelnde Aufklärung über das vielseitige Tätigkeitsfeld, das Ärzte im ÖGD vorfinden.
Denn neben stationärer und ambulanter Versorgung spielt die dritte Säule es öffentlichen Gesundheitswesens in Studium und Weiterbildung bei den jungen Ärzten keine Rolle. Dabei bietet die Arbeit im Gesundheitsamt viele positive Aspekte: Flexible Arbeitszeiten, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erlauben, kollegiale Zusammenarbeit auch über das eigene Fachgebiet hinaus und ein breites Aufgabenspektrum, in dem man selbst Schwerpunkte setzen kann, sind einige der Argumente, die für den amtsärztlichen Dienst sprechen. Gleichzeitig muss man sich auch mit der Arbeit in einer Verwaltung anfreunden können und profitiert von einigen Jahren Berufserfahrung.
Das Schleswig-Holsteinische Ärzteblatt hat mit Ärzten und Verantwortlichen in schleswig-holsteinischen Gesundheitsämtern darüber gesprochen, welche Probleme akut auf den ÖGD zukommen, welche Lösungsansätze vielversprechend sind und wie sie mehr Kollegen für ihre abwechslungsreiche Arbeit begeistern wollen.

 

 

Quelle: Ärzteblatt Schleswig-Holstein 01/2017